Kl. 10Kl. 11Kl. 12

Bedingte Wahrscheinlichkeit

Oft weiß man schon etwas über das Ergebnis eines Zufallsversuchs – zum Beispiel, dass ein Test positiv ist. Die bedingte Wahrscheinlichkeit beschreibt, wie wahrscheinlich ein Ereignis unter dieser Bedingung ist. Die wichtigsten Werkzeuge dafür sind die Vierfeldertafel und das Baumdiagramm.

Zum Vierfeldertafel-Rechner

Die Vierfeldertafel

Untersucht man zwei Merkmale A und B gleichzeitig, gibt es vier Kombinationen. Beispiel: In einer Schule mit 200 Schülerinnen und Schülern sind 120 Mädchen (A), 80 tragen eine Brille (B), und 50 Mädchen tragen eine Brille.

\(B\)\(\overline{B}\)Summe
\(A\)\(50\)\(70\)\(120\)
\(\overline{A}\)\(30\)\(50\)\(80\)
Summe\(80\)\(120\)\(200\)

Die gelb markierten Werte waren gegeben. Der Rest ergibt sich, weil in jeder Zeile und Spalte die inneren Felder zusammen die Randsumme ergeben: $120 - 50 = 70$, $80 - 50 = 30$ usw.

Bedingte Wahrscheinlichkeit berechnen

Merke

Die Wahrscheinlichkeit von B unter der Bedingung A ist der Anteil von $A \cap B$ an A:

\[P_A(B) = \frac{P(A \cap B)}{P(A)} \qquad \text{(gelesen: „P von B unter der Bedingung A“, auch } P(B \mid A)\text{)}\]

Umgestellt ergibt sich die Pfadregel: $P(A \cap B) = P(A) \cdot P_A(B)$.

Beispiel

Wie wahrscheinlich trägt ein zufällig gewähltes Mädchen eine Brille? Die Bedingung „Mädchen“ schränkt die Grundmenge auf 120 ein:

\[P_A(B) = \frac{50}{120} = \frac{5}{12} \approx 41{,}7\,\%\]

Umgekehrt: Wie wahrscheinlich ist eine Person mit Brille ein Mädchen? $P_B(A) = \frac{50}{80} = \frac{5}{8} = 62{,}5\,\%$.

Achtung

$P_A(B)$ und $P_B(A)$ sind fast immer verschieden! Entscheidend ist, wodurch man teilt – die Bedingung steht immer im Nenner.

Baumdiagramm und umgekehrter Baum

Im Baumdiagramm stehen auf der zweiten Stufe bedingte Wahrscheinlichkeiten. Die Vierfeldertafel passt zu zwei Bäumen – je nachdem, mit welchem Merkmal man beginnt:

Zuerst A (Mädchen), dann B (Brille)

3/5A5/12B1/47/12B̄7/202/5Ā3/8B3/205/8B̄1/4

Zuerst B, dann A

2/5B5/8A1/43/8Ā3/203/5B̄7/12A7/205/12Ā1/4

Am Ende jedes Pfades steht dieselbe Zahl wie im passenden Feld der Vierfeldertafel (bezogen auf die Gesamtzahl), z. B. $P(A \cap B) = \frac{3}{5} \cdot \frac{5}{12} = \frac{1}{4} = \frac{50}{200}$.

Anzeige

Satz von Bayes – das Test-Beispiel

Eine Krankheit K tritt bei 1 % der Bevölkerung auf. Ein Test erkennt sie in 95 % der Fälle (T: Test positiv), schlägt aber auch bei 10 % der Gesunden falsch an. Wie wahrscheinlich ist man krank, wenn der Test positiv ist?

\(B\)\(\overline{B}\)Summe
\(A\)\(0{,}0095\)\(0{,}0005\)\(0{,}01\)
\(\overline{A}\)\(0{,}099\)\(0{,}891\)\(0{,}99\)
Summe\(0{,}1085\)\(0{,}8915\)\(1\)
\[P_T(K) = \frac{P(K \cap T)}{P(T)} = \frac{0{,}01 \cdot 0{,}95}{0{,}01 \cdot 0{,}95 + 0{,}99 \cdot 0{,}1} = \frac{0{,}0095}{0{,}1085} \approx 8{,}8\,\%\]

Obwohl der Test 95 % der Kranken erkennt, ist nur gut jede elfte Person mit positivem Test wirklich krank – weil es viel mehr Gesunde gibt, bei denen der Test falsch anschlägt. Diese Umkehrung der Bedingung heißt Satz von Bayes:

\[P_B(A) = \frac{P(A) \cdot P_A(B)}{P(A) \cdot P_A(B) + P(\overline{A}) \cdot P_{\overline{A}}(B)}\]

Stochastische Unabhängigkeit

Merke

A und B heißen unabhängig, wenn das Eintreten von A die Wahrscheinlichkeit von B nicht verändert, also $P_A(B) = P(B)$. Gleichwertig:

\[P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B)\]

Im Schulbeispiel ist $P(A) \cdot P(B) = \frac{120}{200} \cdot \frac{80}{200} = 0{,}24$, aber $P(A \cap B) = \frac{50}{200} = 0{,}25$. Brille und Geschlecht sind hier also (knapp) abhängig.

Mit dem Vierfeldertafel-Rechner kannst Du jede Tafel aus drei Angaben ausfüllen lassen – inklusive aller bedingten Wahrscheinlichkeiten und beider Baumdiagramme.

Übungsaufgaben

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Neue Aufgaben

Stufe 3: Unabhängigkeit prüfen

  1. Aufgabe 1
    \(P(A) = 0{,}5,\ P(B) = 0{,}6,\ P(A \cap B) = 0{,}28:\quad \text{Sind A und B unabhängig?}\)
    \(P(A) \cdot P(B) = 0{,}3 \neq 0{,}28\ \Rightarrow\ \text{abhängig}\)
  2. Aufgabe 2
    \(P(A) = 0{,}7,\ P(B) = 0{,}4,\ P(A \cap B) = 0{,}28:\quad \text{Sind A und B unabhängig?}\)
    \(P(A) \cdot P(B) = 0{,}28 = 0{,}28\ \Rightarrow\ \text{unabhängig}\)
  3. Aufgabe 3
    \(P(A) = 0{,}7,\ P(B) = 0{,}5,\ P(A \cap B) = 0{,}35:\quad \text{Sind A und B unabhängig?}\)
    \(P(A) \cdot P(B) = 0{,}35 = 0{,}35\ \Rightarrow\ \text{unabhängig}\)
  4. Aufgabe 4
    \(P(A) = 0{,}6,\ P(B) = 0{,}6,\ P(A \cap B) = 0{,}36:\quad \text{Sind A und B unabhängig?}\)
    \(P(A) \cdot P(B) = 0{,}36 = 0{,}36\ \Rightarrow\ \text{unabhängig}\)
  5. Aufgabe 5
    \(P(A) = 0{,}5,\ P(B) = 0{,}5,\ P(A \cap B) = 0{,}23:\quad \text{Sind A und B unabhängig?}\)
    \(P(A) \cdot P(B) = 0{,}25 \neq 0{,}23\ \Rightarrow\ \text{abhängig}\)
  6. Aufgabe 6
    \(P(A) = 0{,}5,\ P(B) = 0{,}2,\ P(A \cap B) = 0{,}09:\quad \text{Sind A und B unabhängig?}\)
    \(P(A) \cdot P(B) = 0{,}1 \neq 0{,}09\ \Rightarrow\ \text{abhängig}\)

Arbeitsblatt: Bedingte Wahrscheinlichkeit und Vierfeldertafel

Bis zu 6 Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 10–12.

Schwierigkeit

Weiterlesen: Bedingte Wahrscheinlichkeit bei Wikipedia

Anzeige