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Marktgleichgewicht

Auf einem Markt treffen Käufer und Verkäufer aufeinander. Je billiger eine Ware ist, desto mehr wird nachgefragt – je teurer, desto mehr wird angeboten. Wo sich beide Wünsche treffen, liegt das Marktgleichgewicht. Mathematisch ist das der Schnittpunkt zweier Funktionen; die Vorteile von Käufern und Verkäufern sind Flächen, die man mit Integralen berechnet.

Nachfrage- und Angebotsfunktion

Merke

  • Nachfragefunktion $p_N(x)$: Höchster Preis, zu dem Käufer die Menge $x$ abnehmen. Sie fällt.
  • Angebotsfunktion $p_A(x)$: Niedrigster Preis, zu dem Anbieter die Menge $x$ liefern. Sie steigt.
  • Höchstpreis $p_N(0)$, Sättigungsmenge: Nullstelle von $p_N$, Mindestangebotspreis $p_A(0)$.
  • Marktgleichgewicht: $p_N(x_G) = p_A(x_G)$, Gleichgewichtspreis $p_G = p_N(x_G)$.

In der Volkswirtschaft trägt man – anders als sonst in der Mathematik üblich – die Menge waagerecht und den Preis senkrecht ein. So passt es auch zu den Preisfunktionen $p(x)$.

Beispiel: Fahrradhelme auf einem regionalen Markt

$p_N(x) = 60 - 0{,}4x$ und $p_A(x) = 12 + 0{,}2x$ ($x$ in Hundert Stück, $p$ in €).

Gleichsetzen: $60 - 0{,}4x = 12 + 0{,}2x \Rightarrow 48 = 0{,}6x \Rightarrow x_G = 80$, $p_G = 12 + 0{,}2 \cdot 80 = 28$. Im Gleichgewicht werden 8.000 Helme zu je 28 € verkauft.

Höchstpreis: $p_N(0) = 60$ €, Sättigungsmenge: $60 - 0{,}4x = 0 \Rightarrow x = 150$, Mindestangebotspreis: $p_A(0) = 12$ €.

20406080100120140160102030405060xy0p_Np_AG(80 | 28)Höchstpreis 60Sättigungsmenge 150

Waagerecht: Menge (in Hundert Stück), senkrecht: Preis in €. Blau getönt: Konsumentenrente, orange getönt: Produzentenrente.

Konsumenten- und Produzentenrente

Im Gleichgewicht zahlen alle denselben Preis $p_G$ – auch die Käufer, die eigentlich mehr gezahlt hätten. Diese Ersparnis aller Käufer heißt Konsumentenrente. Ebenso hätten viele Anbieter auch billiger verkauft; ihr Zusatzerlös ist die Produzentenrente.

Merke

\[KR = \int_0^{x_G} p_N(x)\,dx - p_G \cdot x_G \qquad PR = p_G \cdot x_G - \int_0^{x_G} p_A(x)\,dx\]

Bei Geraden sind die Flächen Dreiecke: $KR = \frac{1}{2} \cdot x_G \cdot (p_N(0) - p_G)$, $PR = \frac{1}{2} \cdot x_G \cdot (p_G - p_A(0))$.

Fortsetzung des Beispiels

$KR = \frac{1}{2} \cdot 80 \cdot (60 - 28) = 1.280$ und $PR = \frac{1}{2} \cdot 80 \cdot (28 - 12) = 640$ (in Hundert Euro). Zusammen ergeben sie die Gesamtwohlfahrt von 1.920.

Beispiel mit quadratischer Nachfrage

$p_N(x) = 90 - 0{,}1x^2$ und $p_A(x) = 10 + 2x$. Gleichsetzen und ordnen: $0{,}1x^2 + 2x - 80 = 0 \;|\; \cdot 10 \Rightarrow x^2 + 20x - 800 = 0$. Mit der pq-Formel: $x = -10 \pm \sqrt{100 + 800} = -10 \pm 30$, also $x_G = 20$ und $p_G = 50$.

\[KR = \int_0^{20} (90 - 0{,}1x^2)\,dx - 50 \cdot 20 = \left[90x - \tfrac{0{,}1}{3}x^3\right]_0^{20} - 1.000 \approx 533{,}33\]

Ebenso $PR = 1.000 - \int_0^{20} (10 + 2x)\,dx = 1.000 - 600 = 400$. Wie man Flächen mit Integralen berechnet, steht unter Integralrechnung.

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Preiselastizität der Nachfrage

Wie stark reagieren Käufer auf eine Preisänderung? Die Preiselastizität $\varepsilon$ gibt näherungsweise an, um wie viel Prozent sich die nachgefragte Menge ändert, wenn der Preis um 1 % steigt. Mit der Nachfragefunktion $p_N$ und ihrer Ableitung gilt an der Stelle $x$:

\[\varepsilon(x) = \frac{p_N(x)}{x \cdot p_N'(x)}\]
  • $|\varepsilon| > 1$: elastisch – die Menge reagiert stärker als der Preis (z. B. bei leicht ersetzbaren Waren).
  • $|\varepsilon| < 1$: unelastisch – die Menge reagiert schwächer (z. B. bei lebenswichtigen Gütern).
  • $|\varepsilon| = 1$: proportional elastisch; hier ist der Erlös $p \cdot x$ maximal.

Im Helm-Beispiel im Gleichgewicht: $\varepsilon(80) = \frac{28}{80 \cdot (-0{,}4)} = -0{,}875$ – die Nachfrage ist dort unelastisch. Das Vorzeichen ist negativ, weil die Menge bei steigendem Preis sinkt.

Staatliche Eingriffe: Höchst- und Mindestpreise

Legt der Staat einen Höchstpreis unter $p_G$ fest (z. B. Mietpreisbremse), wollen mehr Käufer kaufen, als angeboten wird: Es entsteht ein Nachfrageüberhang. Ein Mindestpreis über $p_G$ (z. B. Garantiepreise in der Landwirtschaft) führt umgekehrt zu einem Angebotsüberschuss. Die Mengen liest man ab, indem man den festgelegten Preis in beide Funktionen einsetzt bzw. sie nach $x$ auflöst.

Beispiel: Höchstpreis 20 € für Fahrradhelme

Nachgefragt: $60 - 0{,}4x = 20 \Rightarrow x = 100$. Angeboten: $12 + 0{,}2x = 20 \Rightarrow x = 40$. Es fehlen also 60 (Hundert Stück) – ein Nachfrageüberhang von 6.000 Helmen.

Typische Fehler

  • Die Achsen vertauschen: Menge waagerecht, Preis senkrecht.
  • Bei der Konsumentenrente das Integral über die Nachfragefunktion allein angeben – der bezahlte Betrag $p_G \cdot x_G$ muss abgezogen werden.
  • Bei der Elastizität die Ableitung vergessen oder $x$ und $p$ vertauschen.

Online üben

Mehrere Werte trennst Du mit Semikolon, z. B. 80; 28.

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Neue Aufgaben

Stufe 1: Gleichgewicht (linear)

  1. Aufgabe 1
    \(p_N(x) = 430 - 1{,}5x,\) \(p_A(x) = 5 + 0{,}2x:\) Gleichgewicht
    \(x_G; p_G\)
    \(430 - 1{,}5x\) \(= 5 + 0{,}2x\) \(\Rightarrow x_G = 250,\) \(p_G = 55\)
  2. Aufgabe 2
    \(p_N(x) = 72 - 0{,}5x,\) \(p_A(x) = 32 + 0{,}3x:\) Gleichgewicht
    \(x_G; p_G\)
    \(72 - 0{,}5x\) \(= 32 + 0{,}3x\) \(\Rightarrow x_G = 50,\) \(p_G = 47\)
  3. Aufgabe 3
    \(p_N(x) = 171 - 0{,}5x,\) \(p_A(x) = 27 + 0{,}1x:\) Gleichgewicht
    \(x_G; p_G\)
    \(171 - 0{,}5x\) \(= 27 + 0{,}1x\) \(\Rightarrow x_G = 240,\) \(p_G = 51\)
  4. Aufgabe 4
    \(p_N(x) = 753 - 2x:\) Höchstpreis und Sättigungsmenge
    \(p_{\max}; x_S\)
    \(p_N(0) = 753,\) \(x_S = \frac{753}{2} = 376{,}5\)

Tippe Deine Lösung ein und klicke auf „Prüfen“ (oder drücke Enter). Brüche als 3/4, Dezimalzahlen mit Komma, mehrere Lösungen mit ; trennen, Potenzen als x^2, Wurzeln als sqrt(5). Punkte: 10 für richtig beim ersten Versuch, 6 nach einem Fehlversuch, 5 mit Tipp, 0 wenn Du Dir vorher die Lösung anschaust. Deine Punkte und Abzeichen siehst Du unter Mein Training.

Arbeitsblatt: Marktgleichgewicht und Renten

Eine volle DIN-A4-Seite Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 11–13.

Schwierigkeit

Eigene Funktionen untersuchst Du mit dem Marktgleichgewicht-Rechner. Preis-Absatz-Funktionen im Monopol und Gewinnmaximierung findest Du unter Kosten, Erlös und Gewinn.

Weiterlesen: Marktgleichgewicht, Konsumentenrente, Preiselastizität der Nachfrage bei Wikipedia

RechnerMarktgleichgewicht-Rechner – Gleichgewicht, Renten und Elastizität mit GraphNachfrage- und Angebotsfunktion eingeben (linear, quadratisch oder kubisch) und Gleichgewicht, Höchstpreis, Sättigungsmenge, Konsumenten- und Produzentenrente und Preiselastizität mit Rechenweg und Grafik erhalten.Klasse 10–13 · Finanz- & WirtschaftsmatheErklärungIntegralrechnung – Stammfunktion, Integral und FlächeStammfunktionen bilden, bestimmte Integrale berechnen und Flächen zwischen Graphen bestimmen – mit Beispielen.Klasse 12–13 · AnalysisErklärungKosten, Erlös und Gewinn – Break-even und GewinnmaximumKostenfunktion, Erlösfunktion und Gewinnfunktion – Gewinnschwelle, Gewinnmaximum, Stückkosten, Betriebsminimum, Betriebsoptimum und Cournot-Punkt.Klasse 9–13 · Finanz- & WirtschaftsmatheErklärungRentenrechnung – Sparplan, Rentenendwert und BarwertRegelmäßige Ein- und Auszahlungen verzinsen – nachschüssig und vorschüssig, Sparrate, Barwert, Entnahmeplan und ewige Rente.Klasse 10–13 · Finanz- & WirtschaftsmatheRechnerRentenrechner mit Rechenweg und JahrestabelleEndwert, Sparrate oder Barwert eines Sparplans und die Laufzeit eines Entnahmeplans berechnen – jährlich oder monatlich, vor- oder nachschüssig.Klasse 10–13 · Finanz- & WirtschaftsmatheErklärungTilgung und Tilgungsplan – Annuitätendarlehen und RatentilgungZinsen, Tilgung und Restschuld – wie Annuitätendarlehen und Ratentilgung funktionieren, mit Annuitätenformel, anfänglicher Tilgung und Laufzeit.Klasse 10–13 · Finanz- & Wirtschaftsmathe
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