Kl. 13

t-Test

Ein Kaffeeautomat soll 200 ml einfüllen. Zehn Becher ergeben im Mittel 197,8 ml. Ist das noch Zufall oder füllt der Automat zu wenig ein? Beim Gauß-Test müsste man die Streuung der Grundgesamtheit kennen. Meist kennt man sie nicht – dann schätzt man sie aus der Stichprobe und rechnet mit der t-Verteilung. Das ist der t-Test, einer der am häufigsten verwendeten Tests in Studium und Forschung.

Warum t-Verteilung statt Normalverteilung?

Wird $\sigma$ durch die Stichproben-Standardabweichung $s$ ersetzt, kommt eine zusätzliche Unsicherheit ins Spiel: Auch $s$ schwankt von Stichprobe zu Stichprobe. Die Testgröße ist deshalb nicht mehr standardnormalverteilt, sondern t-verteilt. Die t-Verteilung sieht aus wie eine flachere Glockenkurve mit dickeren Rändern. Wie flach, hängt von der Zahl der Freiheitsgrade $df$ ab – bei einer Stichprobe ist $df = n - 1$.

−4−3−2−11234xy0

Standardnormalverteilung t-Verteilung mit df = 5 t-Verteilung mit df = 1

Merke

  • Je kleiner die Stichprobe, desto dicker die Ränder der t-Verteilung – die kritischen Werte werden größer.
  • Ab etwa 30 Freiheitsgraden unterscheidet sich die t-Verteilung kaum noch von der Normalverteilung.

Ein-Stichproben-t-Test

Merke: Testgröße

\[t = \frac{\overline{x} - \mu_0}{s / \sqrt{n}} \qquad s = \sqrt{\frac{1}{n - 1} \sum_{i=1}^{n} (x_i - \overline{x})^2} \qquad df = n - 1\]

$H_0$ wird abgelehnt, wenn $t$ im Ablehnungsbereich liegt: zweiseitig bei $|t| \geq t_{n-1;\,1-\alpha/2}$, rechtsseitig bei $t \geq t_{n-1;\,1-\alpha}$, linksseitig bei $t \leq -t_{n-1;\,1-\alpha}$.

Füllt der Automat zu wenig ein?

Gemessen wurden (in ml): 197; 203; 195; 199; 196; 201; 194; 198; 196; 199. Der Betreiber möchte nachweisen, dass zu wenig eingefüllt wird: $H_0\!: \mu \geq 200$, $H_1\!: \mu < 200$, $\alpha = 5\,\%$ (linksseitig).

\[\overline{x} = 197{,}8 \qquad s \approx 2{,}781 \qquad t = \frac{197{,}8 - 200}{2{,}781 / \sqrt{10}} \approx -2{,}502\]

Mit $df = 9$ ist der kritische Wert $-t_{9;\,0{,}95} \approx -1{,}833$. Weil $t \approx -2{,}5$ unter dem kritischen Wert liegt, wird $H_0$ abgelehnt: Der Automat füllt signifikant zu wenig ein. Der p-Wert beträgt $P(T \leq -2{,}502) \approx 0{,}0169$.

Konfidenzintervall für μ

Aus denselben Zutaten entsteht ein Intervall, das den unbekannten Mittelwert mit vorgegebener Sicherheit überdeckt:

\[\left[\overline{x} - t_{n-1;\,1-\alpha/2} \cdot \frac{s}{\sqrt{n}};\ \ \overline{x} + t_{n-1;\,1-\alpha/2} \cdot \frac{s}{\sqrt{n}}\right]\]

Für den Automaten ergibt sich zum Niveau 95 % mit $t_{9;\,0{,}975} \approx 2{,}262$ das Intervall $[195{,}81;\ 199{,}79]$. Der Sollwert 200 ml liegt nicht darin.

Tipp: Test und Intervall gehören zusammen

Ein zweiseitiger t-Test zum Niveau $\alpha$ lehnt $H_0\!: \mu = \mu_0$ genau dann ab, wenn $\mu_0$ nicht im Konfidenzintervall zum Niveau $1 - \alpha$ liegt.

Zwei unabhängige Stichproben

Oft werden zwei Gruppen verglichen, etwa zwei Lernmethoden oder zwei Düngemittel. Die Nullhypothese lautet dann meist $H_0\!: \mu_1 = \mu_2$. Sind die Streuungen in beiden Gruppen ungefähr gleich, fasst man die Varianzen zu einer gemeinsamen Schätzung $s_p$ zusammen:

Merke: Zwei-Stichproben-t-Test (gleiche Varianzen)

\[s_p^2 = \frac{(n_1 - 1)\,s_1^2 + (n_2 - 1)\,s_2^2}{n_1 + n_2 - 2} \qquad t = \frac{\overline{x}_1 - \overline{x}_2}{s_p \cdot \sqrt{\frac{1}{n_1} + \frac{1}{n_2}}} \qquad df = n_1 + n_2 - 2\]

Streuen die Gruppen deutlich verschieden, nimmt man den Welch-Test: $t = (\overline{x}_1 - \overline{x}_2) : \sqrt{s_1^2/n_1 + s_2^2/n_2}$ mit angepasster, meist nicht ganzzahliger Zahl der Freiheitsgrade.

Hilft die neue Lernmethode?

Gruppe A (neue Methode): $n_1 = 12$, $\overline{x}_1 = 72{,}4$ Punkte, $s_1 = 8{,}1$. Gruppe B (bisherige Methode): $n_2 = 14$, $\overline{x}_2 = 65{,}9$, $s_2 = 9{,}3$. Zweiseitiger Test mit $\alpha = 5\,\%$:

\[s_p = \sqrt{\frac{11 \cdot 8{,}1^2 + 13 \cdot 9{,}3^2}{24}} \approx 8{,}77 \qquad t = \frac{72{,}4 - 65{,}9}{8{,}77 \cdot \sqrt{\frac{1}{12} + \frac{1}{14}}} \approx 1{,}884\]

Mit $df = 24$ ist $t_{24;\,0{,}975} \approx 2{,}064$. Weil $|t|$ kleiner ist, ist der Unterschied auf dem Niveau 5 % nicht signifikant (p $\approx 0{,}0717$). Hätte man vorher einseitig getestet, ob die neue Methode besser ist, wäre das Ergebnis mit $t_{24;\,0{,}95} \approx 1{,}711$ signifikant gewesen. Die Testart muss deshalb immer vor dem Blick auf die Daten feststehen.

Verbundene (gepaarte) Stichproben

Werden dieselben Personen zweimal gemessen – vorher und nachher –, sind die Werte nicht unabhängig. Dann bildest Du für jede Person die Differenz $d_i$ und testest mit einem Ein-Stichproben-t-Test, ob der Mittelwert der Differenzen von 0 abweicht.

Macht ein Training schneller?

Sechs Personen messen ihre Reaktionszeit (in ms) vor und nach einem Training:

Person123456
vorher312298335301322290
nachher295291318300309287
$d_i$-17-7-17-1-13-3

Getestet wird $H_0\!: \mu_D \geq 0$ gegen $H_1\!: \mu_D < 0$ (die Zeit wird kürzer), $\alpha = 5\,\%$:

\[\overline{d} \approx -9{,}667 \qquad s_d \approx 7{,}005 \qquad t = \frac{\overline{d}}{s_d / \sqrt{6}} \approx -3{,}38\]

Mit $df = 5$ ist der kritische Wert $-t_{5;\,0{,}95} \approx -2{,}015$. Die Testgröße liegt darunter – das Training verkürzt die Reaktionszeit signifikant (p $\approx 0{,}0098$).

Achtung

Würde man die beiden Reihen hier wie unabhängige Gruppen behandeln, ginge der Vorteil des Vorher-nachher-Vergleichs verloren: Die großen Unterschiede zwischen den Personen würden den Effekt des Trainings überdecken.

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p-Wert statt kritischer Wert

Statistikprogramme geben meist den p-Wert aus: die Wahrscheinlichkeit, unter $H_0$ eine mindestens so extreme Testgröße zu erhalten. Die Entscheidungsregel ist dann ganz einfach: Ist $p \leq \alpha$, wird $H_0$ abgelehnt. Beim zweiseitigen Test wird die Wahrscheinlichkeit beider Ränder addiert, also $p = 2 \cdot P(T \geq |t|)$.

Voraussetzungen und typische Fehler

  • Die Messwerte sollen unabhängig voneinander sein und aus einer (annähernd) normalverteilten Grundgesamtheit stammen. Bei großen Stichproben (etwa ab 30 Werten) ist der t-Test auch sonst recht robust.
  • Für $s$ wird durch $n - 1$ geteilt, nicht durch $n$.
  • Gepaarte Daten nicht als zwei unabhängige Gruppen auswerten.
  • Ein nicht signifikantes Ergebnis beweist nicht, dass kein Unterschied besteht – vielleicht war nur die Stichprobe zu klein.

Tabelle der t-Quantile

In der Tabelle steht $t_{df;\,q}$, also der Wert, unter dem die t-verteilte Testgröße mit der Wahrscheinlichkeit $q$ liegt. Für den zweiseitigen Test mit $\alpha = 5\,\%$ brauchst Du die Spalte 0,975, für den einseitigen die Spalte 0,95. Die letzte Zeile enthält die Werte der Normalverteilung.

df0,90,950,9750,990,995
13,0786,31412,70631,82163,657
21,8862,9204,3036,9659,925
31,6382,3533,1824,5415,841
41,5332,1322,7763,7474,604
51,4762,0152,5713,3654,032
61,4401,9432,4473,1433,707
71,4151,8952,3652,9983,499
81,3971,8602,3062,8963,355
91,3831,8332,2622,8213,250
101,3721,8122,2282,7643,169
121,3561,7822,1792,6813,055
151,3411,7532,1312,6022,947
201,3251,7252,0862,5282,845
251,3161,7082,0602,4852,787
301,3101,6972,0422,4572,750
401,3031,6842,0212,4232,704
601,2961,6712,0002,3902,660
1001,2901,6601,9842,3642,626
∞ (z)1,2821,6451,9602,3262,576

Alle Varianten mit Rechenweg, p-Wert, Konfidenzintervall und Grafik rechnet der t-Test-Rechner. Ist die Standardabweichung bekannt, genügt der Gauß-Test mit der Normalverteilung. Häufigkeiten in Kategorien vergleicht der Chi-Quadrat-Test. Sind die Daten nicht normalverteilt, vergleicht der Mann-Whitney-U-Test zwei Gruppen über Ränge; drei und mehr Gruppen vergleicht die Varianzanalyse. Woher die Freiheitsgrade kommen, erklärt die Seite Freiheitsgrade.

Übungsaufgaben

Stufe 1: Testgröße einer Stichprobe, Stufe 2: Konfidenzintervall, Stufe 3: zwei Gruppen und gepaarte Daten. Die nötigen t-Werte stehen in der Tabelle oben oder direkt in der Aufgabe.

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Neue Aufgaben

Stufe 1: Testgröße (eine Stichprobe)

  1. Aufgabe 1
    \(n = 16,\) \(\overline{x} = 521,\) \(s = 18{,}4,\) \(H_0\!: \mu = 510\) (zweiseitig, \(\alpha = 5\,\%\)): Testgröße \(t\text{?}\)
    \(t \approx\)
    \(t = \tfrac{521 - 510}{18{,}4 / 4}\) \(\approx 2{,}39;\) \(t_{15;\,0{,}975}\) \(\approx 2{,}131\) \(\Rightarrow\; H_0\) ablehnen
  2. Aufgabe 2
    \(n = 10,\) \(\overline{x} = 260{,}6,\) \(s = 21{,}2,\) \(H_0\!: \mu = 250\) (zweiseitig, \(\alpha = 5\,\%\)): Testgröße \(t\text{?}\)
    \(t \approx\)
    \(t = \tfrac{260{,}6 - 250}{21{,}2 / \sqrt{10}}\) \(\approx 1{,}58;\) \(t_{9;\,0{,}975}\) \(\approx 2{,}262\) \(\Rightarrow\; H_0\) nicht ablehnen
  3. Aufgabe 3
    \(\text{Daten: } 72;\) \(79;\) \(83;\) \(77;\) \(76\text{. } H_0\!: \mu = 75\) (zweiseitig, \(\alpha = 5\,\%\)): Testgröße \(t\text{?}\)
    \(t \approx\)
    \(\overline{x} = 77{,}4,\) \(s \approx 4{,}037,\) \(t \approx 1{,}33;\) \(t_{4;\,0{,}975}\) \(\approx 2{,}776\) \(\Rightarrow\; H_0\) nicht ablehnen
  4. Aufgabe 4
    \(n = 30,\) \(\overline{x} = 22{,}9,\) \(s = 4{,}3,\) \(H_0\!: \mu = 25\) (zweiseitig, \(\alpha = 5\,\%\)): Testgröße \(t\text{?}\)
    \(t \approx\)
    \(t = \tfrac{22{,}9 - 25}{4{,}3 / \sqrt{30}}\) \(\approx -2{,}67;\) \(t_{29;\,0{,}975}\) \(\approx 2{,}045\) \(\Rightarrow\; H_0\) ablehnen
  5. Aufgabe 5
    \(n = 40,\) \(\overline{x} = 488{,}4,\) \(s = 23{,}2,\) \(H_0\!: \mu = 500\) (zweiseitig, \(\alpha = 5\,\%\)): Testgröße \(t\text{?}\)
    \(t \approx\)
    \(t = \tfrac{488{,}4 - 500}{23{,}2 / \sqrt{40}}\) \(\approx -3{,}16;\) \(t_{39;\,0{,}975}\) \(\approx 2{,}023\) \(\Rightarrow\; H_0\) ablehnen
  6. Aufgabe 6
    \(\text{Daten: } 35;\) \(33;\) \(34;\) \(35;\) \(41\text{. } H_0\!: \mu = 34\) (zweiseitig, \(\alpha = 5\,\%\)): Testgröße \(t\text{?}\)
    \(t \approx\)
    \(\overline{x} = 35{,}6,\) \(s \approx 3{,}13,\) \(t \approx 1{,}14;\) \(t_{4;\,0{,}975}\) \(\approx 2{,}776\) \(\Rightarrow\; H_0\) nicht ablehnen

Tippe Deine Lösung ein und klicke auf „Prüfen“ (oder drücke Enter). Brüche als 3/4, Dezimalzahlen mit Komma, mehrere Lösungen mit ; trennen, Potenzen als x^2, Wurzeln als sqrt(5). Punkte: 10 für richtig beim ersten Versuch, 6 nach einem Fehlversuch, 5 mit Tipp, 0 wenn Du Dir vorher die Lösung anschaust. Deine Punkte und Abzeichen siehst Du unter Mein Training.

Arbeitsblatt: t-Test und Konfidenzintervall

Eine volle DIN-A4-Seite Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 13.

Schwierigkeit

Weiterlesen: t-Test, Studentsche t-Verteilung bei Wikipedia

Rechnert-Test-Rechner – Ein- und Zwei-Stichproben-t-Test, Welch-Test, gepaarter t-Testt-Test aus Messwerten oder Kennwerten – mit Freiheitsgraden, kritischem Wert, p-Wert, Entscheidung, Konfidenzintervall, Arbeitstabelle und t-Verteilung als Grafik.Klasse 13 · Studium & BrückenkursErklärungHypothesentest mit der Normalverteilung – z-Werte, Ablehnungsbereich und Gauß-TestGroße Stichproben mit der Glockenkurve testen – Laplace-Bedingung, z-Werte, Ablehnungsbereich ein- und zweiseitig, Fehler 1. und 2. Art mit Stetigkeitskorrektur und Gauß-Test (z-Test) für einen Mittelwert.Klasse 12–13 · Stochastik & StatistikErklärungChi-Quadrat-Test – Anpassungstest und UnabhängigkeitstestBeobachtete und erwartete Häufigkeiten vergleichen – Testgröße χ², Freiheitsgrade, Anpassungstest, Unabhängigkeitstest mit Kontingenz- und Vierfeldertafel, Cramérs V und Tabelle der kritischen Werte.Klasse 13 · Studium & BrückenkursErklärungVarianz und Standardabweichung – berechnen und deuten, mit n und n − 1Streuung messen – Abweichungen quadrieren, durch n oder n − 1 teilen, Wurzel ziehen. Mit Verschiebungssatz, Zufallsgrößen und Binomialverteilung.Klasse 8–13 · Stochastik & StatistikÜbungenBrückenkurs Mathe – fit fürs Studium mit Mathe-Check und LernpfadMathe-Check mit 22 Aufgaben und ein Lernpfad in zehn Stationen von Bruchrechnung bis Integral – mit Häkchen für Deinen Fortschritt.Klasse 13 · Studium & BrückenkursErklärungSummenzeichen und Produktzeichen – Regeln, Indexverschiebung, SummenformelnΣ und Π lesen und umformen – Rechenregeln, Indexverschiebung, Gaußsche Summenformel, geometrische Summe und Teleskopsumme.Klasse 13 · Studium & Brückenkurs
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