Standardfehler und t-Verteilung
Ein Mittelwert aus vielen Messungen ist genauer als eine einzelne Messung – aber wie viel genauer? Das sagt der Standardfehler. Und weil man die wahre Streuung meist nicht kennt, sondern aus den Daten schätzen muss, braucht man für Tests und Konfidenzintervalle die t-Verteilung statt der Normalverteilung. Diese Seite erklärt beides und enthält eine Tabelle der t-Quantile.
Der Standardfehler des Mittelwerts
Streuen einzelne Werte mit der Standardabweichung $\sigma$, dann streut der Mittelwert $\overline{X}$ aus $n$ unabhängigen Werten weniger: Zufällige Abweichungen nach oben und unten gleichen sich teilweise aus.
Merke: Standardfehler
Der Standardfehler schrumpft mit $\sqrt{n}$, nicht mit $n$: Für die halbe Unsicherheit braucht man die vierfache Stichprobe.
einzelne Werte (σ = 3) · Mittelwerte aus je 9 Werten (σ : √9 = 1)
Kaffeeautomat
Ein Automat füllt Becher mit einer Standardabweichung von 8 ml. Der Mittelwert aus 16 Bechern schwankt nur mit $\frac{8}{\sqrt{16}} = 2$ ml, der aus 64 Bechern mit $\frac{8}{8} = 1$ ml. Wer also prüfen will, ob der Automat im Mittel richtig eingestellt ist, sollte viele Becher messen – eine einzelne Messung sagt wenig.
Achtung, Verwechslungsgefahr: Die Standardabweichung $s$ beschreibt, wie stark die einzelnen Werte streuen, und bleibt bei mehr Daten ungefähr gleich. Der Standardfehler beschreibt, wie genau der Mittelwert ist, und wird mit mehr Daten kleiner.
Warum t statt z?
Ist $\sigma$ bekannt, ist $Z = \frac{\overline{X} - \mu}{\sigma / \sqrt{n}}$ standardnormalverteilt (Gauß-Test). In der Praxis kennt man $\sigma$ aber fast nie und setzt die Schätzung $s$ ein. Weil auch $s$ vom Zufall abhängt, schwankt der Quotient
stärker als $Z$: Manchmal ist $s$ zufällig zu klein, dann wird $T$ besonders groß. Bei normalverteilten Daten folgt $T$ der t-Verteilung mit $n - 1$ Freiheitsgraden. Beschrieben hat sie William Gosset, der als Chemiker einer Brauerei mit sehr kleinen Stichproben arbeitete und unter dem Namen „Student“ veröffentlichte.
df = 1 · df = 3 · df = 10 · Standardnormalverteilung
- Die t-Verteilung ist symmetrisch um 0, hat aber dickere Ränder: Große Werte sind wahrscheinlicher als bei der Normalverteilung.
- Deshalb sind ihre Quantile größer – Konfidenzintervalle werden breiter, Tests vorsichtiger.
- Mit wachsender Zahl der Freiheitsgrade nähert sie sich der Normalverteilung. Ab etwa df = 30 ist der Unterschied klein.
Tabelle der t-Quantile
In der Tabelle steht der Wert $t$ mit $P(T \leq t) = \gamma$. Für zweiseitige Fragen nimmt man $\gamma = 1 - \frac{\alpha}{2}$: Ein 95-%-Konfidenzintervall oder ein zweiseitiger Test mit α = 5 % braucht die Spalte 0,975. Die letzte Zeile enthält die Quantile der Standardnormalverteilung.
| df | 0,9 | 0,95 | 0,975 | 0,99 | 0,995 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 3,078 | 6,314 | 12,706 | 31,821 | 63,657 |
| 2 | 1,886 | 2,920 | 4,303 | 6,965 | 9,925 |
| 3 | 1,638 | 2,353 | 3,182 | 4,541 | 5,841 |
| 4 | 1,533 | 2,132 | 2,776 | 3,747 | 4,604 |
| 5 | 1,476 | 2,015 | 2,571 | 3,365 | 4,032 |
| 6 | 1,440 | 1,943 | 2,447 | 3,143 | 3,707 |
| 7 | 1,415 | 1,895 | 2,365 | 2,998 | 3,499 |
| 8 | 1,397 | 1,860 | 2,306 | 2,896 | 3,355 |
| 9 | 1,383 | 1,833 | 2,262 | 2,821 | 3,250 |
| 10 | 1,372 | 1,812 | 2,228 | 2,764 | 3,169 |
| 11 | 1,363 | 1,796 | 2,201 | 2,718 | 3,106 |
| 12 | 1,356 | 1,782 | 2,179 | 2,681 | 3,055 |
| 13 | 1,350 | 1,771 | 2,160 | 2,650 | 3,012 |
| 14 | 1,345 | 1,761 | 2,145 | 2,624 | 2,977 |
| 15 | 1,341 | 1,753 | 2,131 | 2,602 | 2,947 |
| 16 | 1,337 | 1,746 | 2,120 | 2,583 | 2,921 |
| 17 | 1,333 | 1,740 | 2,110 | 2,567 | 2,898 |
| 18 | 1,330 | 1,734 | 2,101 | 2,552 | 2,878 |
| 19 | 1,328 | 1,729 | 2,093 | 2,539 | 2,861 |
| 20 | 1,325 | 1,725 | 2,086 | 2,528 | 2,845 |
| 21 | 1,323 | 1,721 | 2,080 | 2,518 | 2,831 |
| 22 | 1,321 | 1,717 | 2,074 | 2,508 | 2,819 |
| 23 | 1,319 | 1,714 | 2,069 | 2,500 | 2,807 |
| 24 | 1,318 | 1,711 | 2,064 | 2,492 | 2,797 |
| 25 | 1,316 | 1,708 | 2,060 | 2,485 | 2,787 |
| 26 | 1,315 | 1,706 | 2,056 | 2,479 | 2,779 |
| 27 | 1,314 | 1,703 | 2,052 | 2,473 | 2,771 |
| 28 | 1,313 | 1,701 | 2,048 | 2,467 | 2,763 |
| 29 | 1,311 | 1,699 | 2,045 | 2,462 | 2,756 |
| 30 | 1,310 | 1,697 | 2,042 | 2,457 | 2,750 |
| 40 | 1,303 | 1,684 | 2,021 | 2,423 | 2,704 |
| 50 | 1,299 | 1,676 | 2,009 | 2,403 | 2,678 |
| 60 | 1,296 | 1,671 | 2,000 | 2,390 | 2,660 |
| 80 | 1,292 | 1,664 | 1,990 | 2,374 | 2,639 |
| 100 | 1,290 | 1,660 | 1,984 | 2,364 | 2,626 |
| 200 | 1,286 | 1,653 | 1,972 | 2,345 | 2,601 |
| ∞ (z) | 1,282 | 1,645 | 1,960 | 2,326 | 2,576 |
Werte für andere Freiheitsgrade und Wahrscheinlichkeiten berechnet der t-Verteilungs-Rechner.
Konfidenzintervall mit t
Merke: Konfidenzintervall für μ bei unbekanntem σ
Füllmenge von Saftflaschen
Acht Flaschen enthalten 498; 503; 501; 497; 505; 499; 502; 500 ml. Daraus folgen $\overline{x} = 500{,}625$ ml, $s \approx 2{,}669$ ml und $SE = \frac{2{,}669}{\sqrt{8}} \approx 0{,}944$ ml. Mit $t_{7;\,0{,}975} \approx 2{,}365$ ist das 95-%-Konfidenzintervall
Hätte man fälschlich mit $z \approx 1{,}96$ gerechnet, wäre das Intervall mit $[498{,}78;\ 502{,}47]$ ml deutlich zu schmal – bei nur acht Werten ein spürbarer Unterschied.
Getestet wird mit derselben Größe: Der t-Test vergleicht $t = \frac{\overline{x} - \mu_0}{SE}$ mit dem t-Quantil. Ist $\sigma$ bekannt, rechnet man den Gauß-Test (Hypothesentest mit der Normalverteilung).
Welcher Test passt?
| Situation | Messwerte, ungefähr normalverteilt | nur Rangfolge, schief oder Ausreißer |
|---|---|---|
| Mittelwert gegen Sollwert | Gauß-Test (σ bekannt), Ein-Stichproben-t-Test | Wilcoxon-Test für den Median |
| zwei unabhängige Gruppen | Zwei-Stichproben-t-Test | Mann-Whitney-U-Test |
| dieselben Personen zweimal | gepaarter t-Test | Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test |
| drei und mehr Gruppen | Varianzanalyse | Kruskal-Wallis-Test |
| Zusammenhang zweier Merkmale | Pearson-Korrelation | Spearman, Kendall |
| Häufigkeiten in Kategorien | χ²-Test, bei kleinen Vierfeldertafeln der exakte Test nach Fisher | |
Übungsaufgaben
Stufe 1: Standardfehler, Stufe 2: t-Quantile aus der Tabelle, Stufe 3: Konfidenzintervall mit t.
Stufe 1: Standardfehler
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Aufgabe 1
\(s = 2{,}1,\) \(n = 49\). Standardfehler \(SE\text{?}\)\(SE \approx\)\(SE = \tfrac{2{,}1}{\sqrt{49}} = 0{,}3\)
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Aufgabe 2
\(s = 6{,}8,\) \(n = 50\). Standardfehler \(SE\text{?}\)\(SE \approx\)\(SE = \tfrac{6{,}8}{\sqrt{50}} \approx 0{,}96\)
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Aufgabe 3
\(s = 0{,}6,\) \(n = 81\). Standardfehler \(SE\text{?}\)\(SE \approx\)\(SE = \tfrac{0{,}6}{\sqrt{81}} \approx 0{,}07\)
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Aufgabe 4
\(s = 18{,}4,\) \(n = 50\). Standardfehler \(SE\text{?}\)\(SE \approx\)\(SE = \tfrac{18{,}4}{\sqrt{50}} \approx 2{,}6\)
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Aufgabe 5
\(s = 22{,}7,\) \(n = 50\). Standardfehler \(SE\text{?}\)\(SE \approx\)\(SE = \tfrac{22{,}7}{\sqrt{50}} \approx 3{,}21\)
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Aufgabe 6
\(s = 14{,}9,\) \(n = 12\). Standardfehler \(SE\text{?}\)\(SE \approx\)\(SE = \tfrac{14{,}9}{\sqrt{12}} \approx 4{,}3\)
Tippe Deine Lösung ein und klicke auf „Prüfen“ (oder drücke Enter). Brüche als 3/4, Dezimalzahlen mit Komma, mehrere Lösungen mit ; trennen, Potenzen als x^2, Wurzeln als sqrt(5). Punkte: 10 für richtig beim ersten Versuch, 6 nach einem Fehlversuch, 5 mit Tipp, 0 wenn Du Dir vorher die Lösung anschaust. Deine Punkte und Abzeichen siehst Du unter Mein Training.
Arbeitsblatt: Standardfehler, t-Quantile und Konfidenzintervall
Eine volle DIN-A4-Seite Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 12–13.
Sachaufgaben: Welcher Test, welche Testgröße?
Stufe 1: den passenden Test auswählen, Stufe 2: z, t oder U berechnen, Stufe 3: die Grenze des Ablehnungsbereichs für den Mittelwert bestimmen.
Stufe 1: Welcher Test passt?
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Aufgabe 1
Drei Gruppen von Schülerinnen und Schülern bewerten drei verschiedene Lern-Apps mit Schulnoten. Gibt es Unterschiede zwischen den Apps? Welcher Test passt?Kruskal-Wallis-Test – mehr als zwei unabhängige Gruppen, nur Rangfolge bzw. keine Normalverteilung.
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Aufgabe 2
Aus 14 Messungen soll geprüft werden, ob die mittlere Lieferzeit eines Versandhändlers über den versprochenen 3 Tagen liegt. Die Werte sind ungefähr normalverteilt, σ ist unbekannt. Welcher Test passt?Ein-Stichproben-t-Test – Mittelwert gegen einen Sollwert, σ unbekannt, Daten ungefähr normalverteilt.
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Aufgabe 3
Ein Würfel wird 300-mal geworfen. Passt die Häufigkeit der Augenzahlen zu einem fairen Würfel? Welcher Test passt?χ²-Anpassungstest – beobachtete Häufigkeiten von Kategorien gegen eine vermutete Verteilung.
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Aufgabe 4
Eine Münze soll auf Fairness geprüft werden: Bei 60 Würfen kam 38-mal Zahl. Welcher Test passt?Binomialtest – Trefferzahl bei n unabhängigen Versuchen gegen eine vermutete Wahrscheinlichkeit.
Tippe nur die Zahl ein – die Einheit steht schon daneben. Dezimalzahlen mit Komma (2,5), Zeiten als 2 h 15 min, Uhrzeiten als 14:35. Punkte: 10 für richtig beim ersten Versuch, 6 nach einem Fehlversuch, 5 mit Tipp. Deine Punkte siehst Du unter Mein Training.
Arbeitsblatt: Sachaufgaben zu Tests: Welcher Test, Testgröße, Grenze
Eine volle DIN-A4-Seite Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 12–13.
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