Kl. 13

Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test

Dieselben Personen werden zweimal gemessen – vor und nach einem Training, mit altem und neuem Gerät, morgens und abends. Ob sich etwas verändert hat, prüft der gepaarte t-Test, wenn die Differenzen ungefähr normalverteilt sind. Sind sie es nicht, gibt es Ausreißer oder nur eine Bewertungsskala, nimmt man den Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test. Er arbeitet nur mit den Rängen der Differenzen und ihren Vorzeichen.

Die Idee in drei Schritten

  1. Differenzen bilden: Für jedes Paar $d_i = \text{nachher} - \text{vorher}$ (oder umgekehrt – nur einheitlich).
  2. Beträge ordnen: Die Beträge $|d_i|$ bekommen Ränge, der kleinste Betrag Rang 1. Das Vorzeichen merkt man sich.
  3. Getrennt addieren: $W^+$ ist die Summe der Ränge mit positivem, $W^-$ die mit negativem Vorzeichen.

Hat sich nichts verändert, sind positive und negative Differenzen gleich häufig und gleich groß zu erwarten – $W^+$ und $W^-$ liegen dann nah beieinander. Steckt hinter fast allen großen Beträgen dasselbe Vorzeichen, wird eine der beiden Summen sehr klein.

Liest man nach dem Training schneller?

Acht Jugendliche lesen einen Text vor und nach einem vierwöchigen Lesetraining. Gemessen werden Wörter pro Minute:

Person12345678
vorher182165201154190172160178
nachher196171199166207181157189
d = nachher − vorher+14+6−2+12+17+9−3+11
Rang von |d|+7+3−1+6+8+4−2+5

Nur zwei Personen sind langsamer geworden, und das nur um wenige Wörter: Ihre Beträge 2 und 3 haben die kleinsten Ränge. Damit ist $W^- = 1 + 2 = 3$ und $W^+ = 36 - 3 = 33$ (Probe: $W^+ + W^- = \frac{8 \cdot 9}{2} = 36$).

Exakte Verteilung und kritischer Wert

Merke: Rangsummen und Entscheidung

\[W^+ + W^- = \frac{n(n + 1)}{2} \qquad W = \min(W^+, W^-)\]

Gilt $H_0$ (kein Unterschied), hat jeder Rang mit Wahrscheinlichkeit $\frac{1}{2}$ ein Plus- oder ein Minuszeichen. Bei $n$ Paaren gibt es $2^n$ gleich wahrscheinliche Vorzeichen-Muster. Zweiseitig wird abgelehnt, wenn $W$ höchstens so groß ist wie der kritische Wert.

Für $n = 8$ gibt es $2^8 = 256$ Muster. Zählt man für jedes die Summe $W^+$ aus, ergibt sich die folgende symmetrische Verteilung um $\frac{36}{2} = 18$:

0481216202428323336W⁺

Ablehnungsbereich zweiseitig bei α = 5 % · grün umrandet: $W^+ = 33$ aus dem Beispiel

Der kritische Wert für $n = 8$ ist 3: Nur die Muster mit $W \leq 3$ haben zusammen (auf beiden Seiten) eine Wahrscheinlichkeit von höchstens 5 %. Im Beispiel ist $W = 3 \leq 3$ – $H_0$ wird abgelehnt, das Training hat die Lesegeschwindigkeit signifikant verändert. Der exakte p-Wert ist $2 \cdot P(W^+ \leq 3) = 2 \cdot \frac{5}{256} \approx 0{,}0391$.

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Kritische Werte für W

Abgelehnt wird, wenn $W$ kleiner oder gleich dem Tabellenwert ist. Einseitig vergleicht man die Summe, die bei der vermuteten Richtung klein sein sollte (vermutet man eine Zunahme, also $W^-$). Ein Strich heißt: Bei so wenigen Paaren ist kein Ergebnis signifikant. Alle Werte sind mit der exakten Verteilung berechnet: Der Tabellenwert ist das größte $w$ mit $P(W^+ \leq w)$ höchstens α (einseitig) bzw. $\frac{\alpha}{2}$ (zweiseitig).

nzweiseitig 5 %zweiseitig 1 %einseitig 5 %einseitig 1 %
5––0–
60–2–
72–30
83051
95183
1083105
11105137
12137179
131792112
1421122515
1525153019
1629193523
1734234127
1840274732
1946325337
2052376043
2158426749
2265487555
2373548362
2481619169
25896810076

Nullen und gleiche Beträge

  • Differenz 0: Ein Paar ohne Veränderung sagt nichts über die Richtung. Es wird weggelassen, und $n$ wird um 1 kleiner (Vorgehen nach Wilcoxon).
  • Gleiche Beträge (Bindungen): Haben zum Beispiel zwei Differenzen den Betrag 4 und belegen die Plätze 5 und 6, bekommen beide Rang $5{,}5$ – egal, ob die Differenzen $+4$ oder $-4$ sind. Die exakte Tabelle gilt dann nicht mehr genau; man rechnet mit der Normalnäherung und verkleinert die Streuung.

Normalnäherung für größere n

Merke: Normalnäherung

\[\mu = \frac{n(n + 1)}{4} \qquad \sigma = \sqrt{\frac{n(n + 1)(2n + 1)}{24} - \frac{\sum (t^3 - t)}{48}} \qquad z = \frac{W^+ - \mu}{\sigma}\]

$t$ ist die Größe einer Gruppe gleicher Beträge; ohne Bindungen fällt die Summe weg. Ab etwa 20 Paaren ist die Näherung gut. Zweiseitig wird bei $|z| \geq 1{,}96$ abgelehnt (α = 5 %). Mit Stetigkeitskorrektur verkleinert man $|W^+ - \mu|$ vorher um $0{,}5$.

24 Filialen vor und nach einer Preisaktion

Für den Umsatz ergab sich ohne gleiche Beträge $W^+ = 198$. Dann ist $\mu = \frac{24 \cdot 25}{4} = 150$, $\sigma = \sqrt{\frac{24 \cdot 25 \cdot 49}{24}} \approx 35$ und $z = \frac{198 - 150}{35} \approx 1{,}37$. Wegen $z < 1{,}96$ ist keine Veränderung nachgewiesen (p-Wert $\approx 0{,}17$).

Ein-Stichproben-Variante: Test für den Median

Statt zweier Messreihen kann man auch prüfen, ob die Werte einer einzigen Stichprobe um einen vermuteten Median $m_0$ liegen. Man rechnet genauso, nur mit $d_i = x_i - m_0$. Beispiel: Liegt die Zeit für den Schulweg im Mittel (Median) bei 20 Minuten? Der Wilcoxon-Rechner hat dafür einen eigenen Modus.

Wilcoxon-Test, Vorzeichentest oder gepaarter t-Test?

gepaarter t-TestWilcoxon-Vorzeichen-Rang-TestVorzeichentest
nutztdie Differenzen selbstRänge der Beträge und Vorzeichennur die Vorzeichen
VoraussetzungDifferenzen ungefähr normalverteiltDifferenzen etwa symmetrisch verteiltkeine
Ausreißerverschieben das Ergebnis starkzählen nur mit ihrem Rangzählen nur als + oder −
Trennschärfeam höchsten bei Normalverteilungfast so gut, bei schiefen Daten oft besseram geringsten

Der Vorzeichentest zählt nur, wie viele Differenzen positiv sind, und prüft das mit der Binomialverteilung ($p = 0{,}5$). Im Beispiel wären das 6 von 8 – zu wenig für eine Ablehnung, weil die Größe der Veränderungen nicht zählt. Der gepaarte t-Test wäre hier ebenfalls möglich. Für zwei unabhängige Gruppen gibt es das Gegenstück, den Mann-Whitney-U-Test.

Eigene Daten mit Tabelle und exaktem p-Wert rechnet der Wilcoxon-Rechner.

Übungsaufgaben

Stufe 1: W⁺ und W⁻ aus Differenzen, Stufe 2: kompletter Test mit kleinen Stichproben, Stufe 3: Normalnäherung.

Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3 Neue Aufgaben

Stufe 1: Rangsummen W⁺ und W⁻

  1. Aufgabe 1
    Differenzen: \(-19;\) \(-11;\) \(25;\) \(18;\) \(7;\) \(22;\) \(14;\) \(8\text{. } W^+ \text{ und } W^-\text{?}\)
    \(W^+;\ W^-\)
    Beträge geordnet: \(7;\) \(8;\) \(11;\) \(14;\) \(18;\) \(19;\) \(22;\) \(25\) (Ränge 1 bis 8)\(;\) \(W^+ = 1 + 2 + 4 + 5 + 7 + 8\) \(= 27,\) \(W^- = 36 - 27\) \(= 9\)
  2. Aufgabe 2
    Differenzen: \(25;\) \(7;\) \(24;\) \(-6;\) \(4;\) \(3;\) \(18\text{. } W^+ \text{ und } W^-\text{?}\)
    \(W^+;\ W^-\)
    Beträge geordnet: \(3;\) \(4;\) \(6;\) \(7;\) \(18;\) \(24;\) \(25\) (Ränge 1 bis 7)\(;\) \(W^+ = 1 + 2 + 4 + 5 + 6 + 7\) \(= 25,\) \(W^- = 28 - 25\) \(= 3\)
  3. Aufgabe 3
    Differenzen: \(20;\) \(12;\) \(-16;\) \(8;\) \(-11;\) \(-21;\) \(5\text{. } W^+ \text{ und } W^-\text{?}\)
    \(W^+;\ W^-\)
    Beträge geordnet: \(5;\) \(8;\) \(11;\) \(12;\) \(16;\) \(20;\) \(21\) (Ränge 1 bis 7)\(;\) \(W^+ = 1 + 2 + 4 + 6\) \(= 13,\) \(W^- = 28 - 13\) \(= 15\)
  4. Aufgabe 4
    Differenzen: \(-2;\) \(-7;\) \(1;\) \(-11;\) \(24;\) \(14;\) \(25;\) \(9\text{. } W^+ \text{ und } W^-\text{?}\)
    \(W^+;\ W^-\)
    Beträge geordnet: \(1;\) \(2;\) \(7;\) \(9;\) \(11;\) \(14;\) \(24;\) \(25\) (Ränge 1 bis 8)\(;\) \(W^+ = 1 + 4 + 6 + 7 + 8\) \(= 26,\) \(W^- = 36 - 26\) \(= 10\)
  5. Aufgabe 5
    Differenzen: \(23;\) \(-2;\) \(6;\) \(11;\) \(-8;\) \(-12\text{. } W^+ \text{ und } W^-\text{?}\)
    \(W^+;\ W^-\)
    Beträge geordnet: \(2;\) \(6;\) \(8;\) \(11;\) \(12;\) \(23\) (Ränge 1 bis 6)\(;\) \(W^+ = 2 + 4 + 6 = 12,\) \(W^- = 21 - 12 = 9\)
  6. Aufgabe 6
    Differenzen: \(-12;\) \(-18;\) \(4;\) \(1;\) \(-2;\) \(19;\) \(-14;\) \(23\text{. } W^+ \text{ und } W^-\text{?}\)
    \(W^+;\ W^-\)
    Beträge geordnet: \(1;\) \(2;\) \(4;\) \(12;\) \(14;\) \(18;\) \(19;\) \(23\) (Ränge 1 bis 8)\(;\) \(W^+ = 1 + 3 + 7 + 8\) \(= 19,\) \(W^- = 36 - 19\) \(= 17\)

Tippe Deine Lösung ein und klicke auf „Prüfen“ (oder drücke Enter). Brüche als 3/4, Dezimalzahlen mit Komma, mehrere Lösungen mit ; trennen, Potenzen als x^2, Wurzeln als sqrt(5). Punkte: 10 für richtig beim ersten Versuch, 6 nach einem Fehlversuch, 5 mit Tipp, 0 wenn Du Dir vorher die Lösung anschaust. Deine Punkte und Abzeichen siehst Du unter Mein Training.

Arbeitsblatt: Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test

Eine volle DIN-A4-Seite Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 13.

Schwierigkeit

Weiterlesen: Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test, Nichtparametrische Statistik bei Wikipedia

RechnerWilcoxon-Rechner – Vorzeichen-Rang-Test mit Rangtabelle und p-WertZwei verbundene Messreihen, Differenzen oder eine Stichprobe mit vermutetem Median eingeben und Tabelle der Differenzen, W⁺, W⁻, exakten p-Wert oder Normalnäherung und Effektgröße erhalten.Klasse 13 · Studium & BrückenkursErklärungt-Test – Ein-Stichproben-, Zwei-Stichproben- und gepaarter t-TestMittelwerte testen, wenn σ unbekannt ist – t-Verteilung und Freiheitsgrade, Konfidenzintervall, Zwei-Stichproben-t-Test (gepoolt und Welch), gepaarter t-Test, p-Wert und Tabelle der t-Quantile.Klasse 13 · Studium & BrückenkursErklärungMann-Whitney-U-Test – zwei Gruppen über Ränge vergleichenRänge vergeben, Rangsummen und U berechnen, exakte Verteilung von U mit Tabelle der kritischen Werte, Bindungen, Normalnäherung und Vergleich mit dem t-Test.Klasse 13 · Studium & BrückenkursÜbungenBrückenkurs Mathe – fit fürs Studium mit Mathe-Check und LernpfadMathe-Check mit 22 Aufgaben und ein Lernpfad in zehn Stationen von Bruchrechnung bis Integral – mit Häkchen für Deinen Fortschritt.Klasse 13 · Studium & BrückenkursErklärungSummenzeichen und Produktzeichen – Regeln, Indexverschiebung, SummenformelnΣ und Π lesen und umformen – Rechenregeln, Indexverschiebung, Gaußsche Summenformel, geometrische Summe und Teleskopsumme.Klasse 13 · Studium & BrückenkursErklärungMengen und Aussagenlogik – Schreibweisen, Intervalle, Junktoren, QuantorenMengen und Zahlenbereiche, Intervalle, Schnitt, Vereinigung und Komplement, Wahrheitstafeln, Implikation und Quantoren richtig verneinen.Klasse 13 · Studium & Brückenkurs
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