Handelskalkulation: vom Einkaufspreis zum Verkaufspreis
Ein Händler kauft Ware ein, bezahlt Miete, Personal und Transport und möchte am Ende etwas verdienen. Mit der Handelskalkulation rechnet er aus, welchen Preis er dafür verlangen muss – oder wie viel er beim Einkauf höchstens zahlen darf, wenn der Verkaufspreis schon feststeht. Alles beruht auf der Prozentrechnung; der Knackpunkt ist nur, wovon die Prozente jeweils berechnet werden.
Das Kalkulationsschema im Überblick
Die Kalkulation besteht aus zwei Teilen. In der Bezugskalkulation geht es vom Angebot des Lieferers bis zu dem Betrag, den die Ware den Händler wirklich kostet. In der Verkaufskalkulation geht es von dort bis zum Preis auf dem Etikett. Das Diagramm zeigt unser Beispiel mit einem Fahrradhelm:
Bezugskalkulation
Ein Sportgeschäft bestellt Fahrradhelme. Der Lieferer verlangt laut Preisliste 80,00 € je Helm, gewährt 15 % Rabatt und bei schneller Zahlung 2 % Skonto. Für Fracht und Verpackung fallen 3,40 € je Helm an.
| Position | Prozent | Betrag | Rechnung | |
|---|---|---|---|---|
| Listeneinkaufspreis | 80,00 € | Preisliste des Lieferers | ||
| − | Liefererrabatt | 15 % | 12,00 € | 15 % von 80,00 € |
| = | Zieleinkaufspreis | 68,00 € | ||
| − | Liefererskonto | 2 % | 1,36 € | 2 % von 68,00 € (nicht von 80,00 €!) |
| = | Bareinkaufspreis | 66,64 € | ||
| + | Bezugskosten | 3,40 € | Fracht, Verpackung | |
| = | Bezugspreis (Einstandspreis) | 70,04 € |
Rabatt ist ein Preisnachlass, etwa für große Mengen oder treue Kunden. Skonto belohnt schnelles Bezahlen: Wer innerhalb der Skontofrist zahlt, darf vom Rechnungsbetrag (dem Zieleinkaufspreis) noch einen kleinen Prozentsatz abziehen. Gelten Bezugskosten für eine ganze Lieferung, teilst Du sie zuerst durch die Stückzahl.
Vom Hundert, auf Hundert, im Hundert
In jeder Zeile des Schemas steckt eine Prozentaufgabe. Entscheidend ist, welcher Betrag 100 % ist – und ob Du ihn kennst:
Verkaufskalkulation vorwärts
Das Sportgeschäft rechnet mit 35 % Handlungskosten (Miete, Löhne, Werbung … verteilt auf die Ware) und möchte 12 % Gewinn. Seinen Kunden gibt es 2 % Skonto und 10 % Rabatt. Damit nach diesen Abzügen genug übrig bleibt, müssen Skonto und Rabatt im Hundert aufgeschlagen werden:
| Position | Prozent | Betrag | Rechnung | |
|---|---|---|---|---|
| Bezugspreis | 70,04 € | aus der Bezugskalkulation | ||
| + | Handlungskosten | 35 % | 24,51 € | vom Hundert: 35 % von 70,04 € |
| = | Selbstkostenpreis | 94,55 € | ||
| + | Gewinn | 12 % | 11,35 € | vom Hundert: 12 % von 94,55 € |
| = | Barverkaufspreis | 105,90 € | ||
| + | Kundenskonto | 2 % | 2,16 € | im Hundert: 105,90 € : 0,98 = 108,06 € |
| = | Zielverkaufspreis | 108,06 € | ||
| + | Kundenrabatt | 10 % | 12,01 € | im Hundert: 108,06 € : 0,9 ≈ 120,07 € |
| = | Listenverkaufspreis (netto) | 120,07 € | ||
| + | Umsatzsteuer | 19 % | 22,81 € | vom Hundert |
| = | Listenverkaufspreis (brutto) | 142,88 € |
Probe für den Kunden: 10 % Rabatt von 120,07 € sind 12,01 €, es bleiben 108,06 €. Davon 2 % Skonto sind 2,16 € – übrig bleiben genau die 105,90 €, die der Händler braucht. Hätte er dagegen einfach 2 % und 10 % von 105,90 € aufgeschlagen, fehlte ihm nach den Abzügen des Kunden Geld.
Gerundet wird nach jeder Zeile auf Cent. Rechnest Du ohne Zwischenrunden, kann das Ergebnis um einen Cent abweichen – beides ist üblich.
Rückwärtskalkulation
Oft gibt der Markt den Preis vor: Ein Wettbewerber verkauft einen ähnlichen Helm für 99,00 € netto. Wie viel darf der Helm im Einkauf höchstens kosten, wenn das Geschäft weiterhin 10 % Rabatt und 2 % Skonto gewähren, 10 % verdienen und 30 % Handlungskosten decken will? Jetzt läuft das Schema von unten nach oben, und die Rechenarten tauschen die Rollen:
| Position | Prozent | Betrag | Rechnung | |
|---|---|---|---|---|
| Listenverkaufspreis (netto) | 99,00 € | vom Markt vorgegeben | ||
| − | Kundenrabatt | 10 % | 9,90 € | vom Hundert |
| = | Zielverkaufspreis | 89,10 € | ||
| − | Kundenskonto | 2 % | 1,78 € | vom Hundert |
| = | Barverkaufspreis | 87,32 € | ||
| − | Gewinn | 10 % | 7,94 € | auf Hundert: 87,32 € : 1,1 ≈ 79,38 € |
| = | Selbstkostenpreis | 79,38 € | ||
| − | Handlungskosten | 30 % | 18,32 € | auf Hundert: 79,38 € : 1,3 ≈ 61,06 € |
| = | Bezugspreis (höchstens) | 61,06 € |
Häufiger Fehler: 10 % von 87,32 € abziehen. Das ergibt 78,59 € – zu wenig, denn die 10 % Gewinn wurden ja von den Selbstkosten berechnet, nicht vom Barverkaufspreis. Richtig ist das Teilen durch 1,1.
Kennt der Händler auch Rabatt, Skonto und Bezugskosten seines Lieferers, rechnet er genauso weiter bis zum höchstens zulässigen Listeneinkaufspreis – dann allerdings im Hundert (teilen durch 0,98 bzw. 0,85 …).
Differenzkalkulation
Sind Einkaufs- und Verkaufspreis vorgegeben, rechnet man von oben bis zu den Selbstkosten und von unten bis zum Barverkaufspreis. Der Gewinn ist die Differenz dazwischen. Beispiel: Bezugspreis 58,00 €, Handlungskosten 30 %, Marktpreis wieder 99,00 € netto mit 10 % Rabatt und 2 % Skonto:
von oben: $58{,}00\,€ \cdot 1{,}3 = 75{,}40\,€$ Selbstkosten
von unten: $99{,}00\,€ - 9{,}90\,€ - 1{,}78\,€ = 87{,}32\,€$ Barverkaufspreis
Gewinn: $87{,}32\,€ - 75{,}40\,€ = 11{,}92\,€$, also $\frac{11{,}92}{75{,}40} \cdot 100\,\% \approx 15{,}81\,\%$ der Selbstkosten.
Wird die Differenz negativ, deckt der Marktpreis die Kosten nicht – dann muss der Händler günstiger einkaufen, Kosten senken oder auf den Artikel verzichten.
Kalkulationszuschlag, Kalkulationsfaktor und Handelsspanne
Im Alltag rechnet kaum ein Händler jedes Mal das ganze Schema. Bleiben die Prozentsätze gleich, genügen drei Kennzahlen, die den Bezugspreis direkt mit dem Listenverkaufspreis (netto) verbinden:
| Kennzahl | Formel | Beispiel Fahrradhelm |
|---|---|---|
| Kalkulationszuschlag | $\frac{\text{LVP} - \text{BP}}{\text{BP}} \cdot 100\,\%$ | $\frac{120{,}07 - 70{,}04}{70{,}04} \cdot 100\,\% \approx 71{,}43\,\%$ |
| Kalkulationsfaktor | $\frac{\text{LVP}}{\text{BP}}$ | $\frac{120{,}07}{70{,}04} \approx 1{,}7143$ |
| Handelsspanne | $\frac{\text{LVP} - \text{BP}}{\text{LVP}} \cdot 100\,\%$ | $\frac{50{,}03}{120{,}07} \cdot 100\,\% \approx 41{,}67\,\%$ |
Zuschlag und Faktor rechnen vorwärts (Bezugspreis · 1,7143 ≈ Listenverkaufspreis), die Handelsspanne rückwärts (Listenverkaufspreis − 41,67 % ≈ Bezugspreis). Zwischen ihnen gilt: Handelsspanne $= \frac{\text{Zuschlag}}{100 + \text{Zuschlag}} \cdot 100\,\%$, hier $\frac{71{,}43}{171{,}43} \cdot 100\,\% \approx 41{,}67\,\%$. Der Unterschied zwischen beiden heißt auch Rohgewinn: 50,03 € pro Helm.
Alle Varianten mit eigenen Zahlen und vollständigem Schema rechnet der Kalkulations-Rechner. Wie ein Industriebetrieb seine Selbstkosten mit Gemeinkostenzuschlägen ermittelt, zeigt die Zuschlagskalkulation.
Übung: Bezugskalkulation
Stufe 3: rückwärts und vergleichen
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Aufgabe 1
Ein Fachgeschäft möchte Wasserkocher höchstens zu einem Bezugspreis von 32,00 € je Stück einkaufen. Der Lieferer gibt 30 % Rabatt und 3 % Skonto, die Bezugskosten betragen 0,89 € je Stück. Wie hoch darf der Listeneinkaufspreis höchstens sein?€Bareinkaufspreis: 32,00 € − 0,89 € = 31,11 €
Zieleinkaufspreis (im Hundert): 31,11 € : 0,97 ≈ 32,07 €
Listeneinkaufspreis: 32,07 € : 0,7 ≈ 45,81 € -
Aufgabe 2
Ein Lieferer bietet Akku-Bohrschrauber zum Listenpreis von 300,00 € an. Nach Abzug des Rabatts zahlt ein Onlinehändler 276,00 € je Stück. Wie viel Prozent Rabatt wurden gewährt?%Rabatt: 300,00 € − 276,00 € = 24,00 €
Rabattsatz: 24,00 € : 300,00 € · 100 % = 8 % -
Aufgabe 3
Zwei Angebote für einen Tischlampe: Lieferer A: 46,00 € Listenpreis, 20 % Rabatt, 2 % Skonto, Fracht 2,00 € je Stück. Lieferer B: 43,70 €, 10 % Rabatt, kein Skonto, Fracht 1,00 € je Stück. Welches Angebot hat den niedrigeren Bezugspreis? Antworte mit A oder B.A: 46,00 € − 9,20 € − 0,74 € + 2,00 € = 38,06 €
B: 43,70 € − 4,37 € + 1,00 € = 40,33 €
→ Angebot A ist günstiger. -
Aufgabe 4
Ein Lieferer bietet Tablets zum Listenpreis von 550,00 € an. Nach Abzug des Rabatts zahlt ein Elektrofachmarkt 412,50 € je Stück. Wie viel Prozent Rabatt wurden gewährt?%Rabatt: 550,00 € − 412,50 € = 137,50 €
Rabattsatz: 137,50 € : 550,00 € · 100 % = 25 %
Tippe nur die Zahl ein – die Einheit steht schon daneben. Dezimalzahlen mit Komma (2,5), Zeiten als 2 h 15 min, Uhrzeiten als 14:35. Punkte: 10 für richtig beim ersten Versuch, 6 nach einem Fehlversuch, 5 mit Tipp. Deine Punkte siehst Du unter Mein Training.
Übung: Verkaufskalkulation
Stufe 1: Selbstkosten und Barverkaufspreis
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Aufgabe 1
Bezugspreis eines Gartenstuhls: 39,00 €. Eine Großhandlung rechnet mit 25 % Handlungskosten und 20 % Gewinn. Wie hoch ist der Barverkaufspreis?€Selbstkosten: 39,00 € + 9,75 € = 48,75 €
Gewinn: 20 % von 48,75 € = 9,75 €
Barverkaufspreis: 58,50 € -
Aufgabe 2
Eine Großhandlung kauft einen Gartenstuhl zum Bezugspreis von 41,90 € ein. Die Handlungskosten betragen 15 %. Berechne den Selbstkostenpreis.€Handlungskosten: 15 % von 41,90 € = 6,29 €
Selbstkostenpreis: 41,90 € + 6,29 € = 48,19 € -
Aufgabe 3
Bezugspreis eines Rasenmähers: 245,00 €. Ein Baumarkt rechnet mit 45 % Handlungskosten und 12 % Gewinn. Wie hoch ist der Barverkaufspreis?€Selbstkosten: 245,00 € + 110,25 € = 355,25 €
Gewinn: 12 % von 355,25 € = 42,63 €
Barverkaufspreis: 397,88 € -
Aufgabe 4
Bezugspreis eines Rucksacks: 86,00 €. Ein Sportgeschäft rechnet mit 15 % Handlungskosten und 10 % Gewinn. Wie hoch ist der Barverkaufspreis?€Selbstkosten: 86,00 € + 12,90 € = 98,90 €
Gewinn: 10 % von 98,90 € = 9,89 €
Barverkaufspreis: 108,79 €
Tippe nur die Zahl ein – die Einheit steht schon daneben. Dezimalzahlen mit Komma (2,5), Zeiten als 2 h 15 min, Uhrzeiten als 14:35. Punkte: 10 für richtig beim ersten Versuch, 6 nach einem Fehlversuch, 5 mit Tipp. Deine Punkte siehst Du unter Mein Training.
Arbeitsblatt: Bezugskalkulation
Eine volle DIN-A4-Seite Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 9–13.
Arbeitsblatt: Verkaufskalkulation im Handel
Eine volle DIN-A4-Seite Aufgaben mit Lösungsblatt zum Ausdrucken – bei jedem Klick neue Aufgaben. Klasse 9–13.
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- Mehrwertsteuer-Rechner – brutto und netto
- Kosten, Erlös und Gewinn – Gewinnschwelle mit Funktionen
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